Vermögen, Vermögensverteilung und Vermögenssteuer

Aus Partei der Humanisten

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Dieser Artikel wird durch die AG Wirtschaft erstellt und betreut. Er sammelt die Fakten und Argumente zum Thema Vermögen und dient als Basis für programmatische Anträge der AG. Darüber hinaus kann der Artikel für interne und externe Diskussionen als Argumentationsgrundlage genutzt werden.


Was ist Vermögen?

Um eine faktenbasierte Diskussion zu führen, z. B. über Vermögenssteuer, sollte man zunächst verstehen, was Vermögen ist und wie Vermögen funktioniert. Andernfalls läuft man Gefahr, ebenso unwissenschaftlich und ideologisch zu argumentieren, wie es z. B. Impfgegner tun.

Geld, Vermögen und Kapital

In der Vorstellung vieler Menschen ist Vermögen bares Geld in der Tasche oder auf dem Bankkonto, das nur darauf wartet, dass man sich eine Yacht kauft. Geld, Vermögen und Kapital werden als Synonyme gebraucht. Brutto- und Nettovermögen werden ebenfalls vermischt.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Überspitzt ausgedrückt: Man kann ohne Vermögen einen luxuriösen Lebensstil pflegen sowie man mit Vermögen Existenzängste haben kann.

Wie misst man Vermögen?

Um Vermögen zu verstehen, ist es notwendig, den Aufbau einer Bilanz zu verstehen. Vermögen wird zu einem Stichtag (normalerweise jährlich) in einer Inventur erfasst.

Liquides Vermögensbestandteile (u.a. Barvermögen) lassen sich leicht messen.

Die Feststellung des Wertes von Immobilien, Fahrzeugen und Wertgegenständen ist schwieriger. Grundlage hierfür können der aktuelle Marktwert, Wiederbeschaffungskosten oder buchhalterisch Herstell-/ Produktionskosten abzüglich getätigter Abscheibungen sein. In der Regel sinkt der Wert, kann in Ausnahmefällen (z. B. Kunst) aber auch steigen. Die entsprechenden Änderungen werden in der Bilanz erfasst

Bilanz

Eine Bilanz ist tabellarisch aufgebaut und besteht aus zwei Seiten. In der linken Spalte werden die "Aktiva" (Aktivseite) und in der rechten Spalte die "Passiva" (Passivseite) aufgelistet. Den genauen Aufbau findet man hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Bilanz

Aktiva beschreiben das Vermögen in verschiedenen Kategorien (Was man hat). Die größten sind für gewöhnlich das Anlagevermögen (Immobilien, Maschinen, Fahrzeuge usw.) und Umlaufvermögen (Bargeld, Rohstoffe, Wertpapiere usw.). Das Vermögen beinhaltet auch Forderungen. Wenn eine Rechnung ausgestellt wird, die aber noch nicht bezahlt wurde, so wird eine offene Forderung gegenüber dem Schuldner bilanziert. Auch nicht erhaltenes Geld, das voraussichtlich gezahlt wird, zählt also zu Vermögen.

Passiva beschreiben das Kapital, im Wesentlichen unterteilt in Eigenkapital und Fremdkapital (Woher man es hat / Wem es gehört). Ist die Maschine mit einem Kredit gekauft worden, zählt sie zwar unter den Aktiva als Vermögen, unter den Passiva aber als Fremdkapital. Zum Fremdkapital gehören auch Verbindlichkeiten. Der genannte Kredit ist eine solche Verbindlichkeit, da das Geld gegenüber der Bank geschuldet wird.

Privatvermögen: Brutto und Netto

Bei Privatvermögen spricht man nicht von Eigenkapital, sondern von Brutto- und Nettovermögen. Alle Immobilien, Fahrzeuge, Wertgegenstände, Unternehmensbeteiligungen, kapitalgedeckte Lebensversicherungen und vieles mehr bildet das Bruttovermögen. Zieht man davon alle Schulden/Verbindlichkeiten ab (z. B. offene Kredite), bleibt das Nettovermögen.

Theoretisch kann man "Brutto-Vermögens-Millionär" sein, ohne Nettovermögen zu haben. Praktisch gibt es viele Beispiele von Prominenten, die trotz Millionenvermögen bankrott sind, weil sie ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen können. Umgekehrt kann man ohne Vermögen einen angenehmen Lebensstil führen, wenn man ein gutes Einkommen hat, das man konsumiert, statt sich Vermögen anzuschaffen.

Das ist gewöhnungsbedürftig, also hier noch ein Beispiel: Ich habe kein Vermögen. Ich gehe zur Bank, nehme einen Kredit auf und kaufe ein Haus. Mein Vermögen beträgt jetzt 300.000 € und ich schulde 300.000€ der Bank (eher mehr, wegen Zinsen). Das nennt man eine Aktiv-Passiv-Mehrung. Meine Bilanzsumme ist 300.000 €, mein Eigenkapital/Nettovermögen ist 0€. Wenn mein monatliches Einkommen nicht reicht, um den Kredit zu bezahlen, habe ich bald ein Problem.

Wenn ich das Haus miete, habe ich weder Brutto- noch Nettovermögen. Auf meine Lebensqualität hat das jedoch keinen Einfluss. Es ist das selbe Haus, der selbe Luxus. Mein Vermögen sagt nichts über mein finanzielles Wohlbefinden aus.

Wir könnten in einer Diskussion über Vermögensverteilung nur über Nettovermögen sprechen, aber Tatsache ist, dass auch Bruttovermögen Relevanz hat. Ganz so einfach ist es also nicht.


Wie das Privatvermögen im Rahmen einer Vermögenssteuer bewertet wird, ist leider unklar und muss noch recherchiert werden. Vermutlich sind die Methoden unterschiedlich und reichen von eigener Bauchschätzung bis vollständiger Jahresbilanz.